Gaspreisentwicklung 2020/2021 in Deutschland

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Die Gaspreisentwicklung der letzten Jahre war äußerst wechselhaft. 50 Prozent aller deutschen Haushalte heizen mit Gas und sind damit abhängig von den schwankenden Gaspreisen. Nur ca. 10 Prozent haben hingegen in den letzten Jahren einen Gasanbieterwechsel durchgeführt. Die meisten Verbraucher bleiben beim teureren Grundversorger und bezahlen jährlich mehrere Hundert Euro zu viel. Wir zeigen Ihnen nicht nur die Gaspreisentwicklung seit dem Jahr 2000, sondern geben auch Prognosen für kommende Preisänderungen im Jahr 2021. Zudem verraten wir Ihnen, wie Sie sich den besten Gaspreis sichern können, denn der Gasmarkt bietet zahlreiche gute Tarife.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Um die Entwicklung der Gaspreise nachvollziehen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie sich der Gaspreis zusammensetzt. Aus folgenden Bestandteilen besteht der Gaspreis:

  • Etwa die Hälfte des Gaspreises entfällt auf Beschaffung und Vertrieb des Anbieters. Auch die Marge des Gasversorgers fällt in diesen Bereich.
  • Etwa ein Viertel der Kosten verursachen die Netzentgelte.
    Diese werden von der Bundesnetzagentur reguliert und beinhalten die Kosten der Netzbetreiber für Bau und Betrieb der Gasleitungen. Zudem stellt der Netzbetreiber Gaszähler zu Verfügung, liest den Zählerstand ab und führt die jährliche Abrechnung durch.
  • Das letzte Viertel setzt sich aus Gassteuer, Umsatzsteuer und Konzessionsabgabe zusammen.
    Gas- und Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) erhält der Staat, der diese auch festlegt. Die Konzessionsabgabe geht an die Kommunen für die Bereitstellung der öffentlichen Straßen und Wege zum Transport von Gas.

Betrachtet man den Gaspreis als Ganzes, wird deutlich: Fast die Hälfte des Preises (Netzgebühren und Steuern) wird gesetzlich festgelegt wird und kann nicht vom Anbieter beeinflusst werden. Demgegenüber hat dieser – zumindest teilweise – Einfluss auf die andere Hälfte, die sich aus den Einkaufspreisen für Gas sowie aus seinem Gewinn zusammensetzt.

In der Grafik können Sie die Zusammensetzung des Gaspreises auf einen Blick sehen.

Gaspreis Zusammensetzung

Gebildet werden die deutschen Großhandelspreise seit der Liberalisierung des Gasmarktes auf dem wichtigsten Marktplatz für Gas in Europa: der EEX (European Energy Exchange) Energiebörse in Leipzig.

Die daraus resultierenden Preisentwicklungen werden in den jeweiligen Gastarifen allerdings verzögert sichtbar, weil die Gasversorger ihre Kontingente eher langfristig einkaufen. Auch Preissenkungen machen sich weniger bemerkbar, weil die Gasversorger die Preisvorteile selten und nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben.

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Welche Faktoren beeinflussen den Gaspreis?

Auf den Gaspreis haben folgende Faktoren Einfluss:

  • Förderort: Da Deutschland keine eigenen Gasförderanlagen besitzt, muss es sein Gas importieren. Dazu schließen deutsche Anbieter Lieferverträge mit Förderstaaten ab. Diese Verträge fallen meist längerfristig aus, wodurch die Abhängigkeit in Bezug auf die Preisentwicklung entsteht, die wiederum von globalen Marktereignissen abhängt. Auch wird der Preis durch die Beziehungen der Liefer- und Transitstaaten (Staaten, über die der Gas transportiert wird) beeinflusst.
  • Ölpreis: Bis zum Jahr 2010 war die sogenannte Ölpreisbindung, bei der viele Lieferverträge zwischen Erdgasproduzenten und Erdgaslieferanten an den Ölpreis gekoppelt wurden, für Preisänderungen mitverantwortlich. Stieg der Ölpreis, folgte mit einem zeitlichen Verzug eine ähnliche Gaspreisentwicklung.
    Seit 2010 ist der Gaspreis nicht mehr an den Ölpreis gebunden. Dennoch wird er stark von diesem beeinflusst. Wenn die OPEC-Staaten (Organisation erdölexportierender Länder) ihre Fördermengen senken, wird das Öl knapper und teurer. Das bewirkt, dass Stromanbieter, die sowohl ölgetriebene Blockheizkraftwerke als auch Gaskraftwerke betreiben, mehr Gas kaufen. So wird der Gaspreis nach oben getrieben.

Gaspreisentwicklung zwischen 2000 und 2020

Betrachtet man die Gaspreisentwicklung der letzten 20 Jahre, so werden einige Preisschwankungen bei Gaspreisen sichtbar.

  • Seit dem Jahr 2000 entwickelte sich der Gaspreis nach oben und erreichte mit dem Ansteigen der Rohölpreise Anfang 2008 ein Rekordniveau (7,17 Cent pro kWh). Bis zu 25 % Preiserhöhungen mussten Gaskunden damals hinnehmen. Es folgte jedoch ein Preissturz.
  • Ein Einschnitt erfolgte 2010 mit dem Ende der Kopplung an den Ölpreis.
  • Langfristig hatte die Gasmarkt-Liberalisierung im Jahr 2006 Einfluss. Ab diesem Zeitpunkt übernahm die Bundesnetzagentur die Aufsicht über den Markt.
  • Durch neue, kleinere Anbieter, die ab 2006 auf den liberalisierten Gasmarkt kamen, wurde der Wettbewerb insgesamt angetrieben. Verbraucher profitierten davon im Laufe der folgenden Jahre aufgrund besserer Preise.
  • Besonders in Großstädten erreichten die Gaspreise ihr niedrigstes Niveau, weil hier der Wettbewerb entsprechend groß war und sich die Anbieter gegenseitig unterboten.
  • Die Tiefstwerte wurden im Jahr 2018 erreicht, als der Gaspreis für Endkunden in Deutschland bei durchschnittlich 5,69 Cent pro Kilowattstunde lag.
  • Für das Jahr 2021 kann nicht von einer Wiederholung des Preissturzes ausgegangen werden. Weshalb das so ist, erfahren Sie im Folgenden.
Verbraucherindex Gas

Negative Gaspreisentwicklung für den Verbraucher: Daran liegt es

Viele Verbraucher wünschen sich wieder Tiefstwerte bei den Gaspreisen, wie sie im Jahr 2018 gegeben waren. Anhand einer Reihe von Gründen ist dies jedoch äußerst unwahrscheinlich. Erfahren Sie jetzt, warum sehr niedrige Gaspreise nicht in Sicht sind und wie die Gaspreisentwicklung grundsätzlich aussieht.

Preisvorteile werden von Gasanbietern nicht weitergegeben

Auch wenn Gaskunden in Deutschland von Preissenkungen zwischen 2013 und 2018 profitiert haben, so fielen diese viel geringer aus als von Marktexperten und Verbraucherschützern erwartet.

Wie die Grafik der Bundesnetzagentur verdeutlicht: Jahrelang sinkende Einkaufspreise am Großmarkt kamen nicht oder nur im kleinen Umfang bei den Verbrauchern an:

2,68 Cent pro Kilowatt betrug der Importpreis für Erdgas im Jahr 2013, nur noch 1,42 Cent pro Kilowatt im Jahr 2016: ein Preisabfall von stolzen 47 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der Preis für den Endkunden von 6,69 auf 6,54 Cent pro Kilowatt gefallen: Das sind gerade mal 2,2% weniger.

Gasbeschaffungskosten

Zwar profitieren durch langfristige und bindende Importverträge nicht alle Energieversorger von fallenden Großhandelspreisen und konnten diese dementsprechend auch nicht weitergeben. Nichtsdestotrotz wurden durchschnittlich größere Preissenkungen erwartet. Dennoch zeigt die umgekehrte Entwicklung: Die steigenden Börsenpreise tragen zur Erhöhung der Gaspreise in Deutschland bei.

So bewegen sich die Gaspreise seit 2018 wieder nach oben – sowohl bei den Grundversorgern als auch bei alternativen Versorgern. Als Grund sind die Ölpreise anzunehmen, die aufgrund der aktuellen Konflikte in verschiedenen Erdölförderregionen wieder steigen.

Denn, wie beschrieben, haben Ölpreise trotz der aufgehobenen Ölpreiskopplung immer noch Einfluss auf die Gaspreise. Öl ist eine Art Stimmungsbarometer für den internationalen Energiemarkt. Steigen die Ölpreise, ist auch ein Anstieg der Gaspreise zu vermuten.

Verknappung des Gases durch Importländer

Russland ist einer der Hauptlieferanten für Erdgas in Deutschland. Dieser hat in den vergangenen Jahren verstärkt den asiatischen Markt beliefert und damit für eine Verknappung des Gases in Europa gesorgt. Die Einkaufspreise sind gestiegen und vor allem kleine Anbieter mussten diese Mehrkosten auf ihre Kunden umlegen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat ermittelt, dass die Einfuhrpreise für Erdgas zwischen 2018 und 2019 um rund 40% gestiegen sind. Auch die Börsenpreise für Erdgas haben sich laut dem Statistischen Bundesamt von 2016 bis 2018 um 38% nach oben entwickelt.

Einfluss des Klimas auf den Gaspreis

Wetter- und Klimaveränderungen haben einen nennenswerten Einfluss auf die Gaspreisentwicklung. Beispielsweise konnte nach dem sehr trockenen Sommer 2018 ein erheblicher Anstieg des Gaspreises beobachtet werden. Der Grund dafür liegt in den niedrigeren Wasserständen der Flüsse. Über die Flussschifffahrt kann nach einer Wärmeperiode wesentlich weniger Kohle transportiert werden. Dadurch sind mehr gasbetriebene Stromkraftwerke in Betrieb, was die Kosten für Gas in die Höhe treibt.

Positiver Einfluss neuer Fördertechnologien

Es entstehen immer neue Technologien zur Förderung von Erdgas. In den USA setzt man beispielsweise das Fracking ein. Dabei werden künstliche Fließwege gebohrt, durch die das Gas in den Gesteinsschichten der Erde zutage gefördert wird. Durch eine Weiterentwicklung dieser Technologien können die derzeit noch hohen Förderkosten erheblich reduziert werden.

Mögliche Entwicklung der Gaspreise

Experten vermuten, dass der Gaspreis kurzfristig durch die genannten Faktoren weiter steigen wird. Allerdings ist eine mittelfristige Entwicklung noch nicht abzusehen. Durch die Erschließung neuer Förderquellen könnten konventionelle Energieerzeuger in einen Preisdruck gebracht werden, der sich aus Verbrauchersicht positiv auf die Gasentwicklung auswirkt. Während die Erdgas-Reserven nach heutigem Stand noch für die nächsten 250 Jahre stabil bleiben werden, ist die Gaspreisentwicklung hauptsächlich von politischen und wirtschaftlichen Faktoren abhängig.

Die aktuelle Situation bei den Gaspreisen spricht stark für einen Gasanbieterwechsel, wodurch Sie als Verbraucher mehrere Hundert Euro jährlich sparen können.

Aktuelle Gaspreisentwicklung 2020/2021 – Wird Gas teurer oder billiger?

Die Gaspreise entwickeln sich in den Jahren 2020 und 2021 zum Leidwesen der Verbraucher nach oben. Im Jahr 2020 erhöhten viele Grundversorger die Gaspreise um durchschnittlich 6,1 Prozent. Der Grund lag vor allem in höheren Netzentgelten, die deutschlandweit um etwa 3 Prozent anstiegen.

Besonders stark war der Norden Deutschlands von den Preissteigerungen betroffen: In Hamburg stiegen die Netzentgelte um ganze 12 Prozent. Auch Schleswig-Holstein (9 Prozent Anstieg) und Mecklenburg-Vorpommern (8 Prozent Anstieg) gehörten zu den Bundesländern mit den deutlichsten Erhöhungen.

Im Jahr 2021 werden die Gaspreise in Deutschland weiter ansteigen. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh zahlt 2021 laut 1-gasvergleich.de 150 € mehr.

Während ein Haushalt mit 20.000 kWh Verbrauch 2020 durchschnittlich 6,19 Cent pro Kilowattstunde gezahlt hat, sind es 2021 voraussichtlich 6,8 Cent.

Die Preiserhöhungen 2021 haben mehrere Ursachen, die wir im Folgenden erklären.

Einführung der CO₂-Steuer

Gasanbieter (sowie alle Benzin-, Diesel-, und Heizöl-Unternehmen) müssen ab 2021 einen Steueraufschlag zahlen, um CO2 vertreiben zu dürfen. Die Treibhausgase sollen im Rahmen des Klimaschutzprogramms reduziert werden, indem man Anbieter verpflichtet, kostspielige Emissionsrechte zu erwerben.

Der steuerliche Aufschlag liegt 2021 zunächst bei 25 Euro pro Tonne CO2. Die Mehrkosten werden zwar nicht automatisch an die Verbraucher weitergegeben, aller Voraussicht nach wird der Großteil der Anbieter aber diesen Weg wählen. Dadurch wird das Heizen mit Erdgas für den Verbraucher teurer – laut 1-gasvergleich.de um ca. 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Für die folgenden Jahre steht eine schrittweise Erhöhung der CO2-Steuer und damit voraussichtlich auch des Gaspreises an. Im Jahr 2025 soll der CO2-Preis pro Tonne bereits 55 Euro betragen. Danach soll er bei maximal 65 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid liegen.

Kostenbeispiel: Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh zahlt allein durch die Kohlendioxid-Steuer bereits 2021 fast 120 Euro mehr als im Vorjahr.
2025 sind es bereits über 260 Euro Mehrkosten
(Quelle: CHECK 24).

Tipp: Entgehen Sie den massiven Preiserhöhungen bereits jetzt und fordern Sie kostenlos und unverbindlich eine Tarifempfehlung an.

Anstieg der Großhandelspreise

Während die Einkaufspreise von Erdgas für Anbieter in der ersten Jahreshälfte 2020 niedriger waren (u. a. durch die gesunkene Nachfrage während der Corona-Krise), stiegen sie ab Herbst wieder an. Für Verbraucher gilt leider meist: von Senkungen profitieren sie nicht, Erhöhungen müssen sie jedoch mittragen.

Eine Ausnahme stellen Neukundenangebote dar: Gasanbieter investieren die Einsparungen meist in die Neukundenakquise (günstigere Tarife und Bonuszahlungen), während Bestandskunden leer ausgehen. Voraussichtlich wird sich dies auch für 2021 in Gaspreiserhöhungen vieler Gasversorger bemerkbar machen.

Anstieg der Netznutzungsentgelte

2021 steigen die Kosten für die Netznutzung in Deutschland um durchschnittlich 2 Prozent. Dies macht zusätzliche 8 Euro Mehrkosten bei einem Verbrauch von 20.000 kWh aus.

Die Erhöhungen variieren allerdings je nach Bundesland und fallen im Osten Deutschlands stärker aus. Mecklenburg-Vorpommern ist mit 14 % der deutlichsten Erhöhung ausgesetzt. Es folgen Berlin mit einer Erhöhung von 8 % und Brandenburg mit 5 %. Hingegen kommt es in Hamburg, Bremen und dem Saarland 2021 zu einer leichten Senkung der Netznutzungsgebühren (Quelle: CHECK24).

Entfall der Mehrwertsteuersenkung

Der Mehrwertsteuersatz, der aufgrund der Corona-Krise in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf 16 % gesenkt worden war, beträgt ab 01. Januar 2021 wieder 19 %. Dies betrifft auch die Gaspreise – die preisliche Entlastung für Verbraucher entfällt also.

Gasanbieter wechseln bei steigenden Gaspreisen

Während die Gaspreise weiter ansteigen, stellen sich viele Verbraucher die Frage: Wie lassen sich Gaskosten einsparen? Und lohnt sich der Wechsel? Die Betrachtung der Gaspreisentwicklung und des deutschen Gasmarkts zeigt: Ein Wechsel lohnt sich auf jeden Fall. Woran liegt das?

  • Die meisten Verbraucher beziehen Gas von ihrem Grundversorger. Dabei liegen zwischen dem Grundversorgungstarif und dem günstigsten Angebot in den 100 größten Städten Deutschlands mehr als 40 Prozent Preisunterschied (Quelle: Auswertung des Vergleichsportals TopTarif). Damit zahlen Gaskunden in diesen Städten durchschnittlich 630 € zu viel pro Jahr. Verbesserungspotenzial gibt es also auf jeden Fall.
  • Eine weitere gute Nachricht: Fast 1.000 Gasanbieter kämpfen um die Gunst der Kunden und bieten Wechselanreize wie Preisvorteile und Bonuszahlungen für Neukunden.
  • Handeln sollten Sie v. a. bei Gaspreiserhöhungen: Als Kunde haben Sie in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht. Der Anbieter ist verpflichtet, sie 6 Wochen vor der Anpassung über die Preisanpassung zu informieren. Bis zum Tag Erhöhung haben Sie dann die Möglichkeit, zu kündigen.
    Hinweis: Achten Sie trotz der kurzen Zeitspanne unbedingt darauf, einen seriösen neuen Anbieter auszuwählen.
  • Grundsätzlich kann durch Vergleichen und Wechseln viel Geld gespart werden.

Doch ein günstiger Gaspreis ist bei einem Anbieterwechsel längst nicht der einzige wichtige Faktor. Beachten Sie unbedingt auch die Konditionen der verschiedenen Gasverträge: Laufzeit, Preisgarantie, Kündigungsfrist und vieles mehr. Viele hilfreiche Tipps für die Suche nach einem zuverlässigen, günstigen Gasanbieter finden Sie in unserem Artikel „Gasanbieter wechseln“.

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