Strompreisentwicklung bis 2020: Steigen die Preise weiter?

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Fast nirgendwo in Europa ist Strom für Privatkunden so teuer wie in Deutschland. So bezahlten Deutsche im Jahr 2018 durchschnittlich 42 Prozent mehr als in anderen Ländern Europas (Quelle: eurostat). Dazu kommt, dass die Strompreise sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt haben. Kostete eine Kilowattstunde noch 14 Cent im Jahr 2000, liegen sie 2020 bereits bei 31,47 Cent. Aber wie sah die Entwicklung genau aus und wovon ist sie überhaupt abhängig?

Strompreisentwicklung von 2000 bis 2010

Noch Ende der 1990er Jahre sind viele davon ausgegangen, dass die Strompreise in Zukunft sinken werden. Dafür sollte der neue Energiewirtschaftsgesetz und mit ihm die Liberalisierung des Strommarktes sorgen. Und tatsächlich sanken zwischen 1998 und 2000 die Strompreise merklich (Quelle: BDEW). Doch im Jahr 2000 fand diese Entwicklung ein Ende.
Das hing zum einen damit zusammen, dass einige der neuen Stromversorger Konkurs anmelden mussten. Zum anderen sorgte dafür die Konsolidierung, bei der viele regionale Versorger zu großen Unternehmensverbänden wie z.B. E.ON zusammengefasst wurden. Auch die Einführung der Ökosteuer, die Förderung erneuerbarer Energien und die erhöhte Mehrwertsteuer sorgten für höhere Strompreise – eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren fortsetzte.

Strompreisentwicklung von 2010 bis 2020

Auch der Vergleich der letzten 10 Jahre zeigt: Durchschnittlich sind die Strompreise für private Anbieter zwischen 2010 und 2020 um ca. 25% angestiegen – und das trotz sinkender Erzeugerkosten. Diese machen aktuell tatsächlich auch nur ca. 22,4 Prozent des Gesamtpreises aus. Während ein Viertel des Preises auf die Netzentgelte zurückgeht, machen Steuern, Umlagen und Abgaben den größten Anteil an Kosten – im Jahr 2020 ca. 52,4 Prozent des Gesamtpreises aus.

Jahr Strompreis Cent/kWh Steuern, Abgaben, Umlagen Netzentgelte Stromerzeugung
2020* 31,47 52,4% 25,1% 22,4%
2019 30,43 52,5% 24,3% 23,2%
2018 29,42 54,3% 24,7% 21%
2017 29,16 55% 26% 19%
2016 28,70 54% 24% 22%
2015 28,80 52% 23% 25%
2014 29,14 52% 23% 25%
2013 28,84 50% 23% 27%
2012 25,89 45% 24% 31%
2011 25,23 45% 23% 32%
2010 23,69 41% 25% 34%

Wie kommt der Strompreis zustande?

Der Strompreis ist das Entgelt, das ein Stromkonzern für die Belieferung mit elektrischer Energie verlangt. Dieses Entgelt wird maßgeblich durch drei Komponenten beeinflusst:

  • die Netzentgelte für die Nutzung des Stromnetzes,
  • die Beschaffung des Stroms (u. a. an der Strombörse) und
  • die staatlich veranlassten Steuern, Abgaben und Umlagen.

Daraus wird ersichtlich, dass die großen Stromkonzerne nur für etwa ein Viertel des Gesamtpreises verantwortlich sind, nämlich für die Stromerzeugung. Der restliche Anteil wird vom Staat und den Netzbetreibern bestimmt und trägt ebenso zur Steigerung der Stromkosten bei.

Strompreis Zusammensetzung

Nutzungsentgelte

Stromanbieter müssen Nutzungsentgelte an Netzbetreiber dafür zahlen, dass sie deren Verteilernetze für die Strombelieferung nutzen können. Doch die Höhe des Nutzungsbetrags kann von den Netzbetreibern nicht beliebig hoch angesetzt werden, da sie der Kontrolle durch die Bundesnetzagentur unterliegt.

Wie hoch der Preis für die Nutzung der Verteilernetze angesetzt werden darf, hängt zum Beispiel davon ab, wie modern die Infrastruktur ist. Leitungen mit Hochspannungs-Übertragung sind beispielsweise teurer in der Nutzung als Verteilernetze mit Mittel- oder Niedrigspannungen. Von Hochspannung spricht man bei 110 kV, von mittlerer Spannungsebene bei 20 kV und von Niedrigspannung bei 0,2 bis 0,4 kV.

Auch ist die Höhe der Nutzungsentgelte von der jeweiligen Region abhängig. So zahlen Verbraucher im Nordosten des Landes – wie in Hamburg, Bremen, Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern – mehr, weil dort mit der Entstehung vieler Windkraftanlagen der Netzausbau stärker ausfällt.

Im Jahr 2019 machten die Nutzungsentgelte 24,3% des Strompreises aus und haben somit einen nicht unerheblichen Anteil an der Strompreisentwicklung. Die Bundesnetzagentur geht momentan von einem Anstieg der Netzentgelte aus, da umfassende Netzsanierungen anstehen. Auch müssen Umbauten im Zuge der Energiewende durchgeführt werden.

Preisbildung an der Strombörse

Ein Teil der Strompreisentwicklung hängt von der Preisbildung an der Strombörse ab. Dort werden Angebot und Nachfrage des Stroms gebündelt. Der deutsche, österreichische und französische Strom wird an der Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig gehandelt. An der Strombörse können Stromversorger Strom anbieten oder einkaufen:

  • Stromkonzerne, die zu viel Strom produziert haben, können ihn an der Strombörse zum Verkauf anbieten.
  • Versorger, die nicht genug Strom für die Belieferung aller Kunden parat haben, können an der Börse Kontingente zukaufen.

Die Stromanbieter der Börse legen fest, für welchen Preis sie ihren Strom verkaufen möchten. Währenddessen geben die Stromkäufer Angebote ab, wie viel sie aktuell bereit sind, zu zahlen. Der tatsächliche Verkaufspreis wird dann auf der Basis aller Angebote und Nachfragen ermittelt.
Durch steigende CO2-Preise wird der Strom aus Kohle und Gas tendenziell eher teurer, wodurch mit einem weiteren Anstieg der Preise 2020 gerechnet werden kann.

Die Komponente des Strompreises ist in der Infografik unter „Beschaffung, Vertrieb, Marge“ aufgeführt. Somit beeinflusst der an der Börse ausgehandelte Preis den tatsächlichen Strompreis momentan nur zu 23,2%. Den Großteil machen verschiedene staatliche Umlagen sowie die Netznutzungsentgelte aus.

Umlagen, Abgaben und Steuern

Seit dem Jahr 2000 hat sich der Strompreis für private Haushalte fast verdoppelt. (Statistisches Bundesamt in Wiesbaden). Gleichzeitig sind die Kosten für Stromerzeuger nur um 35 Prozent gewachsen. Damit haben vor allem höhere Umlagen und Steuern zum dem großen Preisanstieg beigetragen.

  1. EEG-Umlage:
    Die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt, steht für die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und war im Jahr 2019 auf dem Stand 6,405 Cent pro Kilowattstunde. 2020 ist sie auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde angestiegen.
    Ziel der Umlage ist es, den Erzeugern von erneuerbaren Energien feste Einspeisevergütungen zu sichern und so die Stromerzeugung durch nachhaltige Quellen zu fördern. In der Regel werden damit die Energieerzeugungsformen durch Windkraft, Solar, Wasserkraft und Biomasse unterstützt.
    Laut dem Gesetz müssen Energielieferanten für jede an den Verbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber abgeben.
    Die Höhe der EEG-Umlage hat sich in den letzten Jahren acht Jahren beinahe verdoppelt: von 3,5 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2012 auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2020.
    Damit trägt die EEG-Umlage inzwischen zu einem beträchtlichen Anteil zum Strompreis bei. Dies liegt unter anderem daran, dass durch Ökostrom der Börsenpreis in den letzten Jahren stark gesunken ist. Dadurch müssen vom Verbraucher höhere Umlagen gezahlt werden, um die garantierte Förderung an die Erzeuger auszuzahlen.
    Im Jahr 2021 läuft die Förderung von alten Ökostrom-Kraftwerken aus. Da diese auch noch die höchsten Fördertarife erhalten, soll die EEG-Umlage 2022 erstmals zurückgehen und in den folgenden Jahren immer weiter absinken. Zusätzlich möchte die Bundesregierung die EEG-Umlage im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 entlasten. Konkrete Gesetze sind hierfür allerdings noch nicht verabschiedet worden.
  2. Konzessionsabgabe:
    Die Konzessionsabgaben sind Entgelte, die Energieversorger an Gemeinden zahlen, dafür dass diese ihnen das Recht einräumen, auf öffentlichem Grund Strom- und Gasleitungen zu verlegen und zu betreiben. Deutschland ist bisher das einzige Land mit einem Konzessionsrecht, obwohl dieses insbesondere für Städte und Gemeinden eine beachtliche Einnahmequelle darstellt.
    Der Anteil der Konzessionsabgabe am Strompreis beträgt im Schnitt 5-6%, während der Anteil beim Gaspreis mit 0,5% deutlich geringer ist. Die Höhe dieser Abgabe ist nicht frei wählbar, sondern wird durch gesetzlich festgelegte Obergrenzen geregelt. Diese werden aber von den Gemeinden meist ausgereizt.
  3. Umsatzsteuer und Stromsteuer:
    Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, beträgt derzeit 19% und wird auf den Netto-Strompreis drauf gerechnet. Damit beeinflusst die Umsatzsteuer den Strompreis deutlich stärker als beispielsweise die Konzessionsabgabe. Die Stromsteuer beträgt derzeit 7% vom Strompreis und wird auch Ökosteuer genannt.
    Entgelte aus der Stromsteuer werden zum Teil für die Senkung der Rentenbeitragssätze verwendet. Die restlichen Anteile des Strompreises setzen sich aus sonstigen Umlagen zusammen, wie zum Beispiel KWK-Umlage, Stromnetzentgeltverordnung, Offshore-Haftungsumlage und Umlage für abschaltbare Lasten.

Strompreiserhöhungen in der Zukunft

Über die zukünftige Strompreisentwicklung können auch Experten nur mutmaßen. Denn die zahlreichen Faktoren, die auf den Strompreis Einfluss nehmen, sind zum Teil von politischen Entscheidungen oder marktspezifischen Entwicklungen abhängig. Momentan machen staatliche Abgaben und Steuern fast die Hälfte des Strompreises aus (EEG-Umlage, Konzessionsabgabe, Umsatzsteuer, Stromsteuer).
Die EEG-Umlage kann in einigen Jahren wieder sinken, jedoch wird dies den gesamten Anstieg des Strompreises nicht auffangen können.
Ausbau und Sanierung der Stromnetze, Installation und Wartung von modernen Stromzählern sowie Investitionen in die Entwicklung von erneuerbaren Energien werden durch die Abgaben gedeckt. Die staatlich verursachten Kostenanteile des Strompreises werden daher vorerst nicht sinken.
Stromexperten rechnen daher mit weiter steigenden Preisen und einer Fortführung der bisherigen Strompreisentwicklung.
Laut Strom-Report.de haben bereits 629, also Versorger (und damit ca. drei Viertel der Anbieter) Strompreiserhöhungen für 2020 angekündigt. Der durchschnittliche Anstieg beträgt dabei merkliche 6,8 Prozent.

Stromanbieter geben Preisvorteile nicht weiter

Während einige Preisentwicklungen von den Stromanbietern nicht beeinflusst werden können, ergeben sich manchmal dennoch Preisvorteile, die sie trotzdem nicht an die Kunden weitergeben. Sinken zum Beispiel die Einkaufspreise für Strom an den Strombörsen, die Umlagen oder die Netzentgelte, halten viele Versorger die Strompreise dennoch auf dem gleichen Niveau oder ziehen sie sogar weiter an. Auch in Zukunft ist nicht damit zu rechnen, dass Stromanbieter die Preisvorteile an ihre Kunden weitergeben.

Was können Verbraucher gegen steigende Strompreis­entwicklung tun?

Auch wenn die Strompreise zukünftig eher steigen werden, können Verbraucher etwas tun, um ihre Kosten zu senken. Denn bei über 1.000 Stromanbietern auf dem Markt lohnt es sich, regelmäßig die Preise zu vergleichen und jedes Jahr den Stromanbieter zu wechseln.
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Strompreiserhöhung: Sonderkün­digungs­recht nutzen

Auch wenn die Strompreise erheblich ansteigen, können Sie trotzdem eine Menge Geld einsparen. Denn bei einer Strompreiserhöhung ist es dem Verbraucher immer möglich, das sogenannte Sonderkündigungsrecht wahrzunehmen. Energieanbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Verbraucher sechs Wochen vor dem Inkrafttreten einer Preisänderung zu informieren. Ist ein solches Schreiben bei Ihnen eingegangen, können Sie Ihren Vertrag kündigen und sich nach einem neuen Anbieter mit besseren Konditionen umsehen. Natürlich unterstützen wir Sie gerne bei der Wahl ihres neuen Anbieters und übernehmen für Sie gerne alle unangenehmen Aufgaben.

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