Strompreisentwicklung 2021/2022: Werden die Preise weiter steigen?

Die Strompreisentwicklung in Deutschland geht 2021/2022 rapide nach oben. Fast nirgendwo in Europa ist Strom für Privatkunden so teuer wie in Deutschland. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise mehr als verdoppelt. Wie kommt es zu dieser Strompreisentwicklung und welche Preise gelten ab 2022? Müssen Sie mit einem weiteren Stromkostenanstieg rechnen oder werden die Strompreise billiger? Hat die Corona-Krise Einfluss darauf? All das erfahren Sie hier.

Strompreisentwicklung: Wie kommt mein Preis zustande?

Für die Belieferung mit Strom zahlen Sie an Ihren Energieversorger einen bestimmten Kilowattstundenpreis (auch: Arbeitspreis). Dieser hängt nicht nur von der Anzahl Ihrer verbrauchten Kilowattstunden ab, sondern auch vom Anbieter, Tarif und Wohnort.

Im Jahr 2021 lag der durchschnittliche Arbeitspreis bei 31,94 Cent pro Kilowattstunde bei einem Verbrauch von 3.500 kWh (3-Personen-Haushalt). Die Jahreskosten betragen in diesem Fall knapp 1.120 Euro. Es sind allerdings deutlich günstigere Tarife möglich.

Hinzu kommt ein Grundpreis, der meist zwischen 10 und 30 Euro monatlich liegt und je nach Anbieter und Tarif unterschiedlich ist.

Strompreisbestandteile: Warum geht die Strompreisentwicklung stetig nach oben?

Die Stromkosten in Deutschland sind nicht nur im internationalen Vergleich sehr hoch, die Strompreisentwicklung geht auch seit Jahren stark nach oben. Woran liegt das?

Die aktuelle Strompreisentwicklung kommt durch die unterschiedlichen Preisbestandteile zustande:

  • Netznutzungsentgelt – fast 25 % des Strompreises
  • Anteil des Stromversorgers (Erzeugung und Einkauf des Stroms, Vertrieb, Gewinnmarge) – fast 25 %
  • Steuern, Abgaben und Umlagen – zusammen mehr als 50 %
Strompreiserhöhung: Bestandteile des Strompreises

Stromanbieter sind zwar nur für etwa ein Viertel des Preises verantwortlich, können die Strompreisentwicklung aber ebenfalls in die Höhe treiben. Insbesondere Billig-Anbieter locken zunächst mit sehr günstigen Preisen und ziehen diese innerhalb der Vertragslaufzeit um bis zu 35 % an.

Trotzdem wird ein Großteil der Strompreisentwicklung nicht vom Anbieter, sondern durch Steuern, Abgaben und Netzentgelte beeinflusst. Auch regionale Unterschiede haben Einfluss auf die Stromkosten.

Wie viel können Sie trotz steigender Strompreisentwicklung mit einem günstigeren Tarif einsparen? Finden Sie es kostenlos und unverbindlich mit unserem Tarifrechner heraus. Es dauert nur wenige Minuten.

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Aktuelle Strompreisentwicklung 2021/2022

Von 2021 auf 2022 kommt es für Privatverbraucher erneut zu einer Strompreisentwicklung nach oben. Wie sich diese in den Kosten für Verbraucher ab Anfang 2022 bemerkbar macht, wird sich bis Mitte November 2021 herausstellen.

Die Verteuerung der Strompreise 2021/2022 hat vor allem zwei Gründe:

  • Extremer Anstieg der Börsenpreise für Strom als Folge des Gaspreisanstiegs
  • Engpass bei Strom aus Windkraftwerken; teurer Ausgleich über Kohlekraftwerke (CO₂-Steuer)

Bereits 2021 ist ein Rekordhoch bei den Strompreisen erreicht, wie die Grafik zeigt.

Strompreisentwicklung 2010 bis 2020

Im Folgenden gehen wir näher auf die einzelnen Ursachen der aktuellen Strompreisentwicklung 2022 ein.

Strompreisentwicklung 2022: Anstieg der Einkaufspreise

Die Einkaufspreise für Strom sind bereits im Verlauf des Jahres 2021 stark angestiegen, wobei es ab August zu einer noch extremeren Strompreisentwicklung nach oben kommt. Dies liegt unter anderem daran, dass ab Herbst ein großer Gasmangel auf dem Energiemarkt herrscht.

Die Folge ist eine Gaspreisentwicklung, die steil nach oben geht. So wird die Stromerzeugung aus Gas teurer. Auch beim Strom aus Kohlekraftwerken kommt es durch die CO₂-Abgaben, welche die Produzenten pro Tonne Kohlendioxid für Zertifikate zahlen müssen, zu einer Verteuerung.

Strompreisentwicklung 2022: Einfluss der CO₂-Abgabe und Windkraft-Engpass

Auch wenn im Strompreis keine direkte CO₂-Steuer enthalten ist wie im Gaspreis, hat diese Abgabe auf mehrere Arten Einfluss auf die Strompreisentwicklung 2021/2022. Für den Herbst 2021 wird ein geringeres Windaufkommen als erwartet prognostiziert. Dementsprechend kann weniger Strom über Windkraftwerke erzeugt werden.

Der Ausgleich muss über Energiequellen erfolgen, die weniger klimafreundlich sind. Dazu zählen z. B. Kohlekraftwerke, die einen hohen CO₂-Ausstoß haben. Entsprechend müssen die Betreiber hohe CO₂-Abgaben zahlen (bzw. teure Zertifikate erwerben), was den erzeugten Strom weiter verteuert.

Strompreisentwicklung 2022: Einfluss der EEG-Umlage

Politische Entscheidungen haben großen Einfluss darauf, wie stark Verbraucher preislich beim Strompreis belastet werden. Das liegt am hohen Anteil an Steuern und Abgaben (fast 50 Prozent) am Strompreis.

Allein die EEG-Umlage macht aktuell über 20 Prozent des Gesamtpreises aus. Sie dient der Förderung von erneuerbaren Energien. Erzeuger von „grünem“ Strom (z. B. Windkraft, Solar, Wasserkraft und Biomasse) erhalten darüber feste Vergütungen.

Alle Stromanbieter müssen für jede an den Verbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber abgeben. Diese Kosten werden an die Kunden weitergegeben.

Die Höhe der EEG-Umlage hat sich in den letzten acht Jahren beinahe verdoppelt (2012: 3,592 ct/kWh). 2021 sank die EEG-Umlage jedoch von 6,756 Cent/kWh auf 6,5 ct/kWh. Dies wurde durch Zuschüsse des Bundeshaushalts ermöglicht, um im Rahmen der Corona-Krise eine Entlastung bei den Stromkosten zu schaffen. Die Zuschüsse stammen aus Einnahmen durch die CO2-Steuer und aus dem Corona-Konjunkturpaket.

Ohne diese Zuschüsse wäre der Preisanteil für die EEG-Umlage 2021 auf mindestens 8,6 ct/kWh gestiegen (Quelle: strom-report.de). Die Kosten für Verbraucher wären also deutlich höher ausgefallen als ohnehin.

EEG-Umlage: Wie geht es ab 2022 weiter?

Der Großteil der Parteien plant, die EEG-Umlage bei einer Regierungsbeteiligung in Folge der Bundestagswahl abzuschaffen. So könnte eine extreme Strompreisentwicklung nach oben, wie sie derzeit der Fall ist, abgefedert werden.

Für das Jahr 2022 erfolgt zunächst eine Senkung der EEG-Umlage (von 6,5 ct/kWh auf 6,0 ct/kWh). Diese Preissenkung wird aus den Einnahmen durch die CO₂-Abgabe finanziert. Das bedeutet zwar, dass die Strompreise durch die EEG-Umlage nicht noch weiter in die Höhe steigen. Trotzdem kann die Senkung der Umlage die allgemeine Strompreisentwicklung nach oben nicht aufhalten.

Strompreisentwicklung 2022: Einfluss der Netzentgelte

Bei der Strompreisentwicklung wird rund ein Viertel des Preises aktuell durch Netznutzungsentgelte bestimmt: Stromanbieter müssen diese Entgelte an Netzbetreiber zahlen, um deren Verteilernetze für die Strombelieferung nutzen zu können. Auch der Betrieb, die Wartung und der Ausbau der Netze werden über die Netzentgelte finanziert.

Die Netzentgelte sorgen für eine weitere ungünstige Strompreisentwicklung 2022 für Privatkunden. Die Netzentgelte fallen im bundesweiten Durchschnitt so hoch aus wie nie zuvor. Die Steigung beträgt durchschnittlich 3,7 Prozent. Ein Privathaushalte mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden müsste dann etwa 11 Euro mehr zahlen als im Jahr 2021 (Quelle: Verivox).

Energieversorger können bis Mitte November entscheiden, inwiefern sie die Kosten durch die erhöhten Netzentgelte an ihre Kunden weitergeben.

Besonders stark soll die Strompreisentwicklung nach oben durch die Netzentgelte in Bremen ausfallen – gefolgt von Hamburg und dem Saarland. Die Preissteigerungen sind je nach Region unterschiedlich hoch (je nach notwendigem Ausbau des Verteilernetzes). Während die Entgelte normalerweise in einigen Bundesländern sogar sinken, steigen sie in anderen um 10 Prozent oder mehr. Allerdings ist eine bundesweite Angleichung bis 2023 geplant.

Erhöhungen kommen dadurch zustande, dass die Stromnetze in Deutschland und über die Grenzen hinaus im Rahmen der Energiewende stets aus- bzw. umgebaut werden. Zudem fallen umfassende Netzsanierungen an.

Strompreisentwicklung 2022: Weitere Steuern und Abgaben

Neben der CO₂-Abgabe und der EEG-Umlage gibt es weitere Steuern und Abgaben, die den Strompreis bzw. die Strompreisentwicklung mehr oder weniger stark beeinflussen. Im Folgenden erläutern wir, welchen Einfluss die Konzessionsabgabe, die Umsatzsteuer, die Stromsteuer und weitere Umlagen auf die Strompreisentwicklung haben.

Konzessionsabgabe

Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt, das Netzbetreiber an Gemeinden zahlen, um im Gegenzug auf öffentlichem Grund Strom- und Gasleitungen verlegen und betreiben zu dürfen.

Der Anteil der Konzessionsabgabe am Strompreis beträgt im Schnitt 5-6 %. Die Obergrenzen liegen für die meisten Stromkunden zwischen 1,32 und 2,39 ct/kWh. Der Durchschnittsbetrag für die Konzessionsabgabe liegt im Jahr 2021 bei 1,66 ct/kWh.

Die Höhe dieser Abgabe ist nicht frei wählbar, sondern wird durch gesetzlich geregelte Obergrenzen und die Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde bestimmt.

Umsatzsteuer und Stromsteuer

Ebenfalls fast ein Viertel des Strompreises ergibt sich aus der Umsatz- und Stromsteuer. Steuerliche Anpassungen haben demnach einen deutlichen Einfluss auf die Strompreisentwicklung.

  • Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, liegt für Strom derzeit bei 19 % und wird auf den Netto-Strompreis aufgeschlagen.
    Zwischen 01.07.2020 und 31.12.2020 betrug sie aufgrund der Corona-Krise nur 16 %.
  • Die Stromsteuer, auch Ökosteuer genannt, liegt aktuell bei 6,4 % des Strompreises und ist seit dem Jahr 2003 auf dem gleichen Niveau.
    Entgelte aus der Stromsteuer werden zum Teil für die Senkung der Rentenbeitragssätze verwendet.

Sonstige Steuern und Abgaben

Die restlichen Anteile des Strompreises setzen sich aus sonstigen Umlagen zusammen, wie zum Beispiel KWK-Umlage, Stromnetzentgeltverordnung, Offshore-Haftungsumlage und Umlage für abschaltbare Lasten. Diese haben jedoch im Vergleich zu den anderen Preisbestandteilen aktuell nur einen geringen Einfluss auf die Strompreisentwicklung.

Strompreisentwicklung 2020/2021

Etwa drei Viertel aller deutschen Anbieter (rund 630 Stromversorger) haben 2020 die Strompreise erhöht. Bei der Strompreisentwicklung kam es 2020 zu einem durchschnittlichen Anstieg von 6,8 Prozent.

Der Durchschnittspreis für Strom ist von 31,81 ct/kWh (2020) auf 31,94 ct/kWh (2021) gestiegen (Quelle: BDEW-Strompreisanalyse).

Hier finden Sie eine Übersicht, welche Faktoren die Kosten 2020/21 in die Höhe getrieben haben, gesunken sind oder unverändert geblieben sind. Die Werte beziehen sich auf einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Zu einer Erhöhung kam es bei…

  • Netzentgelten: Durchschnittlicher Anstieg um 0,6 %, d. h. von 7,75 ct/kWh (2020) auf 7,80 ct/kWh (2021)
  • Beschaffung und Vertrieb: Durchschnittlicher Anstieg um 2,5 %, d. h. Steigerung um 0,19 ct/kWh

Eine Senkung erfolgte bei…

  • Steuern, Abgaben und Umlagen: Verringerung um 0,5 % bzw. 0,16 ct/kWh, d. h. von 16,55 ct/kWh (2020) auf 16,39 ct/kWh (2021)

Im folgenden Abschnitt gehen wir näher auf die Strompreisentwicklung im Rahmen der Corona-Krise ein.

Strompreisentwicklung: Einfluss der Corona-Krise

Die Corona-Krise zeigte sich deutlich in der Strompreisentwicklung und wirkte sich auf mehrere Bestandteile des Preises aus: So kamen gesunkene Einkaufspreise, eine streckenweise gesenkte Mehrwertsteuer, eine gedeckelte EEG-Umlage und ggf. ein steigender Verbrauch durch Homeoffice & Co. zusammen. Was Corona für die Strompreisentwicklung genau bedeutete, erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Änderung des Einkaufspreises: Negative Strompreisentwicklung an der Strombörse

Während der Corona-Pandemie sank 2020 die Stromnachfrage im Industriebereich stark, z. B. durch Produktions-Stopps. Die geringere Nachfrage hatte zur Folge, dass die Preise an der Strombörse für einige Zeit niedriger waren.

Vergleich: Mai 2020: ca. 2 ct/kWh vs. Mai 2019: ca. 3 ct/kWh (Quelle: CHECK24).

Viele Stromversorger konnten also von der Strompreisentwicklung nach unten profitieren. Trotzdem bedeutete dies für viele Privatverbraucher keine Preissenkungen. Anbieter geben eine Ersparnis (egal welcher Ursache) normalerweise nicht an Bestandskunden weiter, denn sie sind nicht dazu verpflichtet. Stattdessen investieren Stromanbieter meist nur in Neukundenangebote (günstigere Tarife und Bonuszahlungen), während Bestandskunden deutlich mehr zahlen.

Hinzu kam, dass nicht alle Anbieter die günstige Strompreisentwicklung ausnutzen konnten: Viele Anbieter kaufen nur einen Bruchteil ihres Stroms an der Strombörse. Den Großteil beziehen sie länger im Voraus bei Erzeugern. Dadurch haben einige Stromversorger zu hohe Preise für 2020/21 gezahlt.

Senkung der Mehrwertsteuer 2020

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Mehrwertsteuersatz vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 gesenkt, was sich auch auf die Strompreisentwicklung auswirkte. Die Steuer betrug dadurch nur 16 statt 19 Prozent.

Tipp: Kontrollieren Sie sicherheitshalber auf Ihrer Stromrechnung, ob Ihr Stromversorger dies berücksichtigt hat. Verlangen Sie ggf. eine Korrektur.

Senkung bzw. Deckelung der EEG-Umlage ab 2021

Eine weitere Entlastung während der Corona-Krise soll für den Verbraucher die Senkung bzw. Deckelung der EEG-Umlage ab 2021 bewirken. Der Anteil der Umlage am Strompreis wäre sonst stärker ausgefallen und hätte somit eine weitere Preissteigerung zur Folge gehabt.

Durch Zuschüsse des Bundes wurde die Umlage im Jahr 2021 auf 6,5 ct/kWh gesenkt (statt 8,6 ct/kWh). Im Jahr 2022 sinkt sie weiter auf 6 ct/kWh.

Steigender Stromverbrauch durch Corona-Krise

Durch Homeoffice, Lockdowns & Co. kam es im Rahmen der Corona-Krise zu einem steigenden Stromverbrauch bei Privatkunden. Laut einer Umfrage von Verivox muss jeder zweite deutsche Haushalt für die Pandemie-Zeit (2020/21) eine Nachzahlung leisten, hat also einen höheren Stromverbrauch als bisher. Die Nachzahlungen betrugen durchschnittlich 112 Euro.

Gleichzeitig ist für Privathaushalte während der Corona-Krise auch 2021 oder 2022 keine Strompreisentwicklung nach unten in Sicht. Daher ist ein Stromanbieterwechsel jetzt für Verbraucher besonders lohnenswert, um die guten Neukundenangebote zu nutzen.

Wenn Sie nicht selbst nach dem besten Stromanbieter suchen möchten, übernehmen wir dies gerne für Sie. Fordern Sie einfach eine kostenlose, unverbindliche Tarifempfehlung an.

Strompreisentwicklung von 2010 bis 2021

Durchschnittlich sind die Strompreise für Privatkunden zwischen den Jahren 2010 und 2020 um ca. 25 % angestiegen – und das trotz sinkender Erzeugerkosten. Zwischen den Jahren 2000 und 2021 kam es sogar zu mehr als einer Verdopplung bei der Strompreisentwicklung von 13,94 ct/kWh auf 31,81 ct/kWh (Quelle: BDEW). Gleichzeitig sind die Kosten für Stromerzeuger nur um 35 Prozent angestiegen. Vor allem höhere Umlagen und Steuern haben zur großen Preissteigerung beigetragen.

Im folgenden Abschnitt gehen wir genauer darauf ein, welche Preisbestandteile für eine Strompreisentwicklung nach oben zwischen 2010 und 2021 gesorgt haben.

Strompreisentwicklung: Veränderung der Preisbestandteile 2010-2021

Wenn man sich mit der Strompreisentwicklung der letzten zehn Jahre beschäftigt, fällt auf, dass die Erhöhungen vor allem durch Steuern und Abgaben zustande gekommen sind. In der Grafik sehen Sie die Strompreisentwicklung von 2010 bis 2020 laut BDEW. Diese ist unterteilt nach einzelnen Preisbestandteilen und bezieht sich auf einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Während der Anteil an Steuern, Abgaben und Umlagen über die Jahre angestiegen ist, ist der Teil für Beschaffung und Vertrieb geringer geworden.

Strompreisentwicklung Bestandteile 2010 bis 2020

Strompreisentwicklung: Einkaufspreis der Stromanbieter vs. Preis für Privatkunden

Die meisten deutschen Stromanbieter erzeugen nicht selbst Strom, sondern kaufen diesen ein. Das ist entweder über Stromproduzenten (z. B. große Erzeuger wie E.ON oder Vattenfall) oder über die Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig möglich.

An der Strombörse können Versorger Strom anbieten (wenn sie zu viel Strom produziert haben) oder einkaufen (wenn sie nicht genug Strom für die Belieferung aller Kunden haben).

Über die Strompreisentwicklung an der Börse entscheiden demgemäß die Anbieter. Stromkäufer geben wiederum Preisgebote ab. Der tatsächliche Verkaufspreis wird dann auf Basis aller Angebote und Nachfragen ermittelt.

Was hat Einfluss auf die Strompreisentwicklung an der Börse?

Folgende Aspekte können die Strompreisentwicklung an der Börse beeinflussen:

  • Schwankendes Angebot, z. B. durch unregelmäßige Stromproduktion. Beispiel: Windkraftanlagen produzieren nicht kontinuierlich die gleiche Menge Strom, sondern sind stark witterungsabhängig. Das wirkt sich ebenso auf die Strompreisentwicklung aus. Energieversorger, die auf Windkraft angewiesen sind, müssen daher an windstillen Tagen Strom zukaufen und können an windintensiven Tagen durch eine Überproduktion Strom verkaufen.
  • Politische und wirtschaftliche Ereignisse. Beispiel: Corona-Krise

Prognose zur Strompreisentwicklung ab 2022: Steigen die Preise weiter?

Über die zukünftige Strompreisentwicklung ab 2022 können auch Experten nur mutmaßen. Denn die zahlreichen Faktoren, die auf den Strompreis Einfluss nehmen, sind zum Teil von politischen Entscheidungen oder marktspezifischen Entwicklungen abhängig. Durch den hohen steuerlichen Anteil des Preises haben diese enorme Auswirkungen. Einige Aspekte zeichnen sich jedoch schon ab:

  • Die staatlich verursachten Kostenanteile des Strompreises (d. h. Steuern und Netzentgelte) werden vorerst nicht sinken bzw. sogar weiter steigen: Ausbau und Sanierung der Stromnetze, Installation und Wartung von modernen Stromzählern sowie Investitionen in die Entwicklung von erneuerbaren Energien werden durch diese Abgaben gedeckt.
  • Die Einkaufspreise steigen aktuell an und sind u. a. abhängig von der Gaspreisentwicklung.
  • Die EEG-Umlage sinkt im Jahr im Jahr 2022 auf 6,0 ct/kWh. Diese Deckelung ist nur durch erhebliche Finanzspritzen des Bundes möglich, kann den gesamten Anstieg der Strompreisentwicklung aber nicht auffangen.
  • Die CO2-Abgabe wird ab 01.01.2021 auf Öl und Gas für Privathaushalte erhoben. Mit diesen zusätzlichen Einnahmen soll langfristig Strom günstiger werden, während fossile Energien für Heizung und Verkehr deutlich im Preis steigen. Bisher ist für Verbraucher aber keine derartige Strompreissenkung in Sicht.

Laut Prognosen setzt sich die Strompreisentwicklung nach oben ab 2022 also fort, sodass Deutschland weiterhin an der Spitze der europäischen Stromkosten bleibt.

Was können Verbraucher gegen die ansteigende Strompreisentwicklung tun?

Die Strompreise steigen – dann müssen Sie das als Verbraucher so akzeptieren? Nein! Gerade weil die Strompreise zukünftig eher ansteigen werden, können Verbraucher etwas tun, um ihre Kosten zu senken. Bei über 1.000 Stromanbietern auf dem Markt gibt es fast immer günstige Neukundenangebote.

Es lohnt sich, regelmäßig einen Stromtarifvergleich durchzuführen und jedes Jahr den Stromanbieter zu wechseln. So lassen sich in vielen Fällen Hunderte Euro sparen.

Noch einfacher geht es mit cheapenergy24: Wir vergleichen nicht nur die besten Angebote und finden einen günstigen, seriösen Stromversorger für Sie, sondern übernehmen auch den gesamten Wechsel.

Ansteigende Strompreisentwicklung: Sonderkündigungsrecht nutzen

Bei einer ungünstigen Strompreisentwicklung flattert früher oder später die Information zur Strompreiserhöhung ins Haus. Dann können Sie Ihren laufenden Stromvertrag vorzeitig beenden. Diese Chance können Sie nutzen, um sich nach einem neuen Anbieter mit besseren Konditionen umzusehen.

Dabei kommt es darauf an, ob Sie sich aktuell in der örtlichen Grundversorgung oder bei einem freien Versorger in Belieferung befinden.

  • Die Grundversorgung (Grundversorgungsvertrag) können Sie mit einer Frist von zwei Wochen schnell kündigen (auch wenn keine Preiserhöhung erfolgt).
  • Bei einem freien Anbieter (Sondervertrag) können Sie Ihr Sonderkündigungsrecht nutzen und den Vertrag vor dem Inkrafttreten der neuen Preise beenden. Das gilt auch, wenn Sie einen Sondervertrag beim Grundversorger abgeschlossen haben.

Natürlich unterstützen wir Sie gerne bei der Wahl Ihres neuen Anbieters: Fordern Sie einfach eine unverbindliche Tarifempfehlung an. Wir übernehmen für Sie alle unangenehmen Aufgaben (z. B. Tarifvergleich, Rechnungsprüfung sowie Kündigungen und Neuanmeldungen). Durch unseren Wechselservice sparen Sie jedes Jahr ohne Aufwand und müssen sich keine Sorgen mehr um die Strompreisentwicklung machen.

FAQ: Häufige Fragen zur Strompreisentwicklung

Durch die komplexe Zusammensetzung des Strompreises und viele weitere Entwicklungen (z. B. Corona-Krise), die den Strompreis beeinflussen, ergeben sich zu diesem Thema bei Verbrauchern zahlreiche Fragen. Hier haben wir für Sie einige zusammengestellt.

Ende der 1990er Jahre ging man davon aus, dass die Strompreise in Zukunft sinken werden. Dafür sollten das neue Energiewirtschaftsgesetz und die Liberalisierung des Strommarktes sorgen. Und tatsächlich sanken zwischen 1998 und 2000 die Strompreise merklich.

Doch im Jahr 2000 fand diese Entwicklung ein Ende. Folgende Faktoren waren für einen Anstieg der Strompreise verantwortlich:

  • Konkursanmeldung einiger neuer Stromversorger
  • Konsolidierung, bei der viele regionale Versorger zu großen Unternehmensverbänden wie z. B. E.ON zusammengefasst wurden
  • Einführung der Ökosteuer
  • Fokussierung auf die Förderung erneuerbarer Energien
  • Erhöhung der Mehrwertsteuer

Die Preisentwicklung nach oben setzte sich in den nächsten Jahren fort.

Die Höhe des Netznutzungsentgelts hängt u. a. von den folgenden Aspekten ab:

  • Wie modern ist die Infrastruktur? Leitungen mit Hochspannungs-Übertragung sind z. B. teurer in der Nutzung als Verteilernetze mit Mittel- oder Niedrigspannungen.
  • Welche Region ist betroffen? Verbraucher im Nordosten des Landes – wie in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – zahlen mehr, weil dort mit der Entstehung vieler Windkraftanlagen der Netzausbau stärker ausfällt.
  • Wie hoch ist die Besiedlungsdichte? In dünn besiedelten Gebieten Deutschlands zahlen die Verbraucher höhere Netznutzungsentgelte und damit deutlich mehr als in dichter besiedelten Teilen.

Während der Corona-Pandemie kam es zu einer sinkenden Strom-Nachfrage durch die Industrie. Diese verringerte Nachfrage verursachte wiederum einen Preissturz im Großhandel.

Die daraus resultierenden Einnahmen treffen auch Stromanbieter, die mit erneuerbaren Energien wirtschaften. Somit ist eine höhere Förderung nötig, damit die Erzeugung wirtschaftlich bleibt. Die Differenz wird normalerweise durch das EEG-Konto (EEG-Umlage) ausgeglichen, also mithilfe der Stromzahlungen von Privatkunden. Dieser Ausgleich wäre 2020/21 um einiges teurer als bisher. Um die Mehrkosten nicht an den Verbraucher weiterzugeben, sorgt der Bund für einen Ausgleich.

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