Strompreisentwicklung 2022: Werden die Preise weiter steigen?

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Die Strompreisentwicklung in Deutschland geht 2022 rapide nach oben. Fast nirgendwo in Europa ist Strom für Privatkunden so teuer wie in Deutschland. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise mehr als verdoppelt. Wie kommt es zu dieser Strompreisentwicklung 2022? Müssen Sie mit einem weiteren Stromkostenanstieg rechnen oder werden die Strompreise billiger? Welchen Einfluss haben die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine? All das erfahren Sie hier.

Aktuelle Strompreisentwicklung 2022

Die Strompreisentwicklung von 2021 auf 2022 bedeutete für Verbraucher extreme Preissteigerungen. Im Jahr 2022 liegt der durchschnittliche Strompreis momentan bei 37,14 Cent pro Kilowattstunde* (BDEW-Strompreisanalyse 04/2022). Der Durchschnittspreis im Juni 2022 beträgt bereits 40,5 ct/kWh (Quelle: CHECK24). Es sind allerdings durch einen Stromanbieterwechsel günstigere Tarife möglich.

Seit Herbst 2021 haben mehrere tausend Strom-Grundversorger die Preise für 2022 erhöht. Für Juni bis August 2022 stehen in fast 300 weiteren Fällen Preiserhöhungen an, von denen ca. 5,3 Millionen Haushalte betroffen sind (Quelle: CHECK24, Stand 20.06.2022).

* Jahresverbrauch 3.500 Kilowattstunden (ca. 3 Personen), Durchschnittswert Grundversorgungs- und alternative Tarife

Seit 2010 ging die Strompreisentwicklung fast ununterbrochen nach oben. Bereits 2021 war für Verbraucher mit 32,16 ct/kWh ein Rekordhoch bei den Strompreisen erreicht, wie die Grafik zur Strompreisentwicklung zeigt. Für 2022 ergibt sich aktuell schon ein Durchschnittspreis von 37,14 ct/kWh.

Strompreisentwicklung 2010 bis 2020

Auswirkungen der Strompreisentwicklung 2022

Infolge der extremen Strompreisentwicklung kündigen mehrere Stromversorger bereits abgeschlossene Verträge (z. B. Vertragsbeendigung durch gas.de), stoppen die Lieferung oder lehnen Neukunden ab. Zahlreiche Stromanbieter stellen momentan keine Neukundenangebote mehr zur Verfügung, was sich beim Tarifvergleich bemerkbar macht.

Einige Stromanbieter haben seit Herbst 2021 bereits Insolvenz angemeldet, u. a. Neckermann Strom, Lition Energie, Fulminant Energie, Otima Energie, Dreischtrom und Smiling Green Energy.

Bisher haben fast 540 Grundversorger in Folge der steigenden Strompreise teurere Tarife für Neukunden eingeführt – mit Preissteigerungen um durchschnittlich 64 % (Quelle: CHECK24, Stand 14.03.2022). Das liegt u. a. daran, dass einige Grundversorger tausende Kunden versorgen müssen (Ersatzversorgung), denen von ihren bisherigen Anbietern aufgrund von Insolvenz gekündigt wurde. Aufgrund der hohen Einkaufspreise sorgt dies für Probleme.

Wie viel können Sie trotz steigender Strompreisentwicklung mit einem günstigeren Tarif einsparen? Finden Sie es kostenlos und unverbindlich über eine Tarifempfehlung von cheapenergy24 heraus.

Strompreisentwicklung: Wie kommt mein Preis zustande?

Für die Belieferung mit Strom zahlen Sie an Ihren Energieversorger einen bestimmten Kilowattstundenpreis (auch: Arbeitspreis). Dieser hängt nicht nur von der Anzahl Ihrer verbrauchten Kilowattstunden ab, sondern auch vom Anbieter, Tarif und Wohnort.

Hinzu kommt ein Grundpreis, der meist zwischen 10 und 30 Euro monatlich liegt und je nach Anbieter und Tarif unterschiedlich ist.

Strompreisbestandteile: Warum geht die Strompreisentwicklung stetig nach oben?

Die Stromkosten in Deutschland sind nicht nur im internationalen Vergleich sehr hoch, die Strompreisentwicklung geht auch seit Jahren stark nach oben. Woran liegt das?

Die aktuelle Strompreisentwicklung kommt durch die unterschiedlichen Preisbestandteile zustande:

  • Netznutzungsentgelt: Fast 25 % des Strompreises
  • Anteil des Stromversorgers (Erzeugung bzw. Einkauf des Stroms, Vertrieb, Gewinnmarge): Fast 40 % (im Jahr 2021 noch ca. 25 %)
  • Steuern, Abgaben und Umlagen: 40 % (im Jahr 2021 noch rund 50 %)
Strompreiserhöhung: Bestandteile des Strompreises

Stromanbieter sind zwar für weniger als die Hälfte des Preises verantwortlich, können die Strompreisentwicklung aber ebenfalls in die Höhe treiben. Durch die extrem angestiegenen Einkaufspreise sind viele Stromversorger gezwungen, die Tarife stark zu verteuern.

Hinzu kommt: Viele Billig-Anbieter locken zunächst mit sehr günstigen Preisen und ziehen diese innerhalb der Vertragslaufzeit um bis zu 35 % an.

Trotzdem wird ein Großteil der Strompreisentwicklung nicht vom Anbieter, sondern durch Steuern, Abgaben und Netzentgelte beeinflusst. Auch regionale Unterschiede haben Einfluss auf die Stromkosten. Im Video sowie in den folgenden Abschnitten beleuchten wir die Ursachen der aktuellen Strompreisentwicklung genauer.

Video zur Strompreisentwicklung

In unserem Video zur Strompreisentwicklung erfahren Sie innerhalb weniger Minuten, wie die aktuellen Stromkosten zustande kommen und was Sie tun können, um weniger zu zahlen.

Ursachen für die Strompreisentwicklung 2022

Die Strompreise steigen von 2021 auf 2022 vor allem aus folgenden Gründen stark an:

  • Extremer Anstieg der Börsenpreise für Strom als Folge des Gaspreisanstiegs
  • Steigender weltweiter Verbrauch aufgrund einer wirtschaftlichen Erholung im Rahmen der Corona-Pandemie
  • Gasverknappung durch Krieg in der Ukraine, Sanktionen und Liefereinschränkungen verursacht starken Strompreisanstieg (Stromproduktion durch Gas)
  • Rückgang bei Produktion erneuerbarer Energien, z. B. Engpass bei Strom aus Windkraftwerken (Folge: teurer Ausgleich über Kohlekraftwerke und andere fossile Energieträger)
  • Leichte Preissenkung durch Entfall der EEG-Umlage ab 01.07.2022
  • Anstieg bei CO₂-Steuer (Folge: höhere Kosten bei Strom aus fossilen Energien)
  • Je nach Bundesland unterschiedlich hoher Anstieg der Netzentgelte

Im Folgenden gehen wir näher auf die wichtigsten Ursachen der aktuellen Strompreisentwicklung 2022 ein.

Strompreisentwicklung 2022: Anstieg der Einkaufspreise

Die Einkaufspreise für Strom sind bereits im Verlauf des Jahres 2021 stark angestiegen, wobei es im letzten Quartal 2021 zu einer noch extremeren Strompreisentwicklung nach oben kam. Dies liegt unter anderem daran, dass ab Herbst ein großer Gasmangel auf dem Energiemarkt herrschte. Die Folge ist eine Gaspreisentwicklung, die steil nach oben geht. So wird die Stromerzeugung aus Gas teurer.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24.02.2022 und die daraus folgenden Sanktionen hat sich dieses Problem verschärft: Die Börsenpreise für Strom sind seitdem um mehrere hundert Prozent nach oben gegangen. Während eine Megawattstunde am 24.02.2022 noch 123 Euro kostete, erreichte der Einkaufspreis für Stromanbieter am 08.03.2022 ein Rekordhoch von 488 Euro. Im Juni 2022 lag der Durchschnittspreis bei 176 Euro (und somit deutlich über den Vorjahreskosten von 72 Euro pro Megawattstunde).

Auch beim Strom aus Kohlekraftwerken kam es durch die CO₂-Abgaben, welche die Produzenten pro Tonne Kohlendioxid für Zertifikate zahlen müssen, zu einer Verteuerung. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage nach Kohle, die die Großhandelspreise in die Höhe treibt.

Ähnlich verhält es sich bei Öl, sodass auch die damit verbundene Stromerzeugung teurer wird.

Strompreisentwicklung 2022: Einfluss der CO₂-Abgabe und Windkraft-Engpass

Auch wenn im Strompreis keine direkte CO₂-Steuer enthalten ist wie im Gaspreis, hat diese Abgabe auf mehrere Arten Einfluss auf die Strompreisentwicklung 2021/2022. Im Herbst 2021 gab es ein geringeres Windaufkommen als erwartet. Dementsprechend konnte weniger Strom über Windkraftwerke erzeugt werden.

Der Ausgleich musste über Energiequellen erfolgen, die weniger klimafreundlich sind. Dazu zählen z. B. Kohlekraftwerke, die einen hohen CO₂-Ausstoß haben. Entsprechend mussten die Betreiber hohe CO₂-Abgaben zahlen (bzw. teure Zertifikate erwerben), was den erzeugten Strom weiter verteuerte.

Strompreisentwicklung 2022: Wegfall der EEG-Umlage

Politische Entscheidungen haben großen Einfluss darauf, wie stark Verbraucher preislich beim Strom belastet werden. Das liegt am hohen Anteil an Steuern und Abgaben (ca. 40 Prozent) am Strompreis. Allein die EEG-Umlage macht im Jahr 2022 ca. 10 Prozent des Gesamtpreises aus, nämlich 3,723 Cent pro Kilowattstunde.

Aufgrund der extremen Strompreisentwicklung 2022 nach oben hat die Bundesregierung entschieden, die EEG-Umlage bereits vorzeitig zum 1. Juli 2022 abzuschaffen. So sollen Verbraucher entlastet werden.

Hier die wichtigsten Informationen zum Entfall der EEG-Umlage und ihrem Einfluss auf die Strompreisentwicklung 2022:

  • Ab dem 01.07.2022 enthält der Strompreis keinen Anteil für die EEG-Umlage mehr, jede Kilowattstunde wird also um 3,723 Cent günstiger.
  • Jeder Stromanbieter muss die Preissenkung vollständig an seine Kunden weitergeben.
  • Durch die starke Strompreisentwicklung nach oben wird die Kosteneinsparung für Verbraucher voraussichtlich gering ausfallen.
  • Die Förderung erneuerbarer Energien wird zukünftig statt über die EEG-Umlage über das Sondervermögen „Energie- und Klimafonds“ (EKF) finanziert.

EEG-Umlage: Zweck und bisherige Entwicklung

Die EEG-Umlage wurde im Jahr 2000 eingeführt und dient der Förderung von erneuerbaren Energien. Erzeuger von „grünem“ Strom (z. B. Windkraft, Solar, Wasserkraft und Biomasse) erhalten darüber feste Vergütungen. Alle Stromanbieter müssen für jede an den Verbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber abgeben. Diese Kosten werden an die Kunden weitergegeben.

Die Höhe der EEG-Umlage hat sich in den letzten acht Jahren beinahe verdoppelt (2012: 3,592 ct/kWh; 2020: 6,76 ct/kWh). Von 2020 auf 2021 sank die EEG-Umlage jedoch von 6,756 Cent/kWh auf 6,5 ct/kWh. Dies wurde durch Zuschüsse des Bundeshaushalts ermöglicht, um im Rahmen der Corona-Krise eine Entlastung bei den Stromkosten zu schaffen.

Die Zuschüsse stammten aus Einnahmen durch die CO2-Steuer und aus dem Corona-Konjunkturpaket. Ohne diese Zuschüsse wäre der Preisanteil für die EEG-Umlage 2021 auf mindestens 8,6 ct/kWh gestiegen (Quelle: strom-report.de). Die Kosten für Verbraucher wären also deutlich höher ausgefallen als ohnehin.

Von 2021 auf 2022 erfolgte eine weitere drastische Senkung auf 3,72 ct/kWh. Diese Preissenkung wird aus den Einnahmen durch die CO₂-Abgabe finanziert. So stiegen zwar die Strompreise durch die EEG-Umlage nicht noch weiter in die Höhe, allerdings konnte die Senkung die allgemeine Strompreisentwicklung nach oben nicht aufhalten.

Strompreisentwicklung 2022: Einfluss der Netzentgelte

Bei der Strompreisentwicklung wird rund ein Viertel des Preises aktuell durch Netznutzungsentgelte bestimmt: Stromanbieter müssen diese Entgelte an Netzbetreiber zahlen, um deren Verteilernetze für die Strombelieferung nutzen zu können. Auch der Betrieb, die Wartung und der Ausbau der Netze werden über die Netzentgelte finanziert. Energieversorger können jedes Jahr bis Mitte November entscheiden, inwiefern sie die Kosten durch die erhöhten Netzentgelte an ihre Kunden weitergeben.

Die Netzentgelte sorgen für eine weitere ungünstige Strompreisentwicklung 2022 für Privatkunden. Die Netzentgelte fallen im bundesweiten Durchschnitt so hoch aus wie nie zuvor. Die Steigung beträgt von 2021 auf 2022 durchschnittlich 4 Prozent. Ein Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden müsste dann etwa 15 Euro mehr zahlen als im Jahr 2021 (Quelle: CHECK24).

Besonders stark fiel die Strompreisentwicklung 2022 nach oben durch die Netzentgelte in Bremen aus (Erhöhung um 11 %) – gefolgt von Hamburg (+8 %) und Mecklenburg-Vorpommern (+7 %). Die Preissteigerungen sind je nach Region unterschiedlich hoch (je nach notwendigem Ausbau des Verteilernetzes). Während die Entgelte normalerweise in einigen Bundesländern sogar sinken (dies war 2022 nicht der Fall), steigen sie in anderen um 10 Prozent oder mehr. Allerdings ist eine bundesweite Angleichung bis 2023 geplant.

Erhöhungen kommen dadurch zustande, dass die Stromnetze in Deutschland und über die Grenzen hinaus im Rahmen der Energiewende stets aus- bzw. umgebaut werden. Zudem fallen umfassende Netzsanierungen an.

Strompreisentwicklung 2022: Weitere Steuern und Abgaben

Neben der CO₂-Abgabe und der EEG-Umlage gibt es weitere Steuern und Abgaben, die den Strompreis bzw. die Strompreisentwicklung mehr oder weniger stark beeinflussen. Im Folgenden erläutern wir, welchen Einfluss die Konzessionsabgabe, die Umsatzsteuer, die Stromsteuer und weitere Umlagen auf die Strompreisentwicklung haben.

Konzessionsabgabe

Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt, das Netzbetreiber an Gemeinden zahlen, um im Gegenzug auf öffentlichem Grund Strom- und Gasleitungen verlegen und betreiben zu dürfen.

Der Anteil der Konzessionsabgabe am Strompreis beträgt im Schnitt 5-6 %. Die Obergrenzen liegen für die meisten Stromkunden zwischen 1,32 und 2,39 ct/kWh. Der Durchschnittsbetrag für die Konzessionsabgabe liegt seit dem Jahr 1998 konstant bei 1,66 ct/kWh, so auch 2022.

Die Höhe dieser Abgabe ist nicht frei wählbar, sondern wird durch gesetzlich geregelte Obergrenzen und die Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde bestimmt.

Umsatzsteuer und Stromsteuer

Ebenfalls fast ein Viertel des Strompreises ergibt sich aus der Umsatz- und Stromsteuer. Steuerliche Anpassungen haben demnach einen deutlichen Einfluss auf die Strompreisentwicklung.

  • Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, liegt für Strom derzeit bei 19 % und wird auf den Netto-Strompreis aufgeschlagen.
    Zwischen 01.07.2020 und 31.12.2020 betrug sie aufgrund der Corona-Krise nur 16 %.
  • Die Stromsteuer, auch Ökosteuer genannt, liegt aktuell bei 6,4 % des Strompreises und ist seit dem Jahr 2003 auf dem gleichen Niveau (2,05 ct/kWh bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh).
    Entgelte aus der Stromsteuer werden zum Teil für die Senkung der Rentenbeitragssätze verwendet.

Sonstige Steuern und Abgaben

Die restlichen Anteile des Strompreises setzen sich aus sonstigen Umlagen zusammen, wie zum Beispiel KWK-Umlage, Stromnetzentgeltverordnung, Offshore-Haftungsumlage und Umlage für abschaltbare Lasten. Diese haben jedoch im Vergleich zu den anderen Preisbestandteilen aktuell nur einen geringen Einfluss auf die Strompreisentwicklung.

Strompreisentwicklung 2020/2021

Etwa drei Viertel aller deutschen Anbieter (rund 630 Stromversorger) haben 2020 die Strompreise erhöht. Bei der Strompreisentwicklung kam es 2020 zu einem durchschnittlichen Anstieg von 6,8 Prozent.

Der Durchschnittspreis für Strom ist von 31,81 ct/kWh (2020) auf 32,16 ct/kWh (2021) gestiegen (Quelle: BDEW-Strompreisanalyse). Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh zahlte demnach statt rund 1.113 Euro im Jahr 2021 bereits fast 1.126 Euro.

Hier finden Sie eine Übersicht, welche Faktoren die Kosten 2020/21 in die Höhe getrieben haben, gesunken sind oder unverändert geblieben sind. Die Werte beziehen sich auf einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Zu einer Erhöhung kam es bei…

  • Netzentgelten: Durchschnittlicher Anstieg um 0,6 %, d. h. von 7,75 ct/kWh (2020) auf 7,80 ct/kWh (2021)
  • Beschaffung und Vertrieb: Durchschnittlicher Anstieg um 2,5 %, d. h. Steigerung um 0,19 ct/kWh

Eine Senkung erfolgte bei…

  • Steuern, Abgaben und Umlagen: Verringerung um 0,5 % bzw. 0,16 ct/kWh, d. h. von 16,55 ct/kWh (2020) auf 16,39 ct/kWh (2021)

Im folgenden Abschnitt gehen wir näher auf die Strompreisentwicklung im Rahmen der Corona-Krise ein.

Strompreisentwicklung: Einfluss der Corona-Krise

Die Corona-Krise zeigte sich deutlich in der Strompreisentwicklung und wirkte sich auf mehrere Bestandteile des Preises aus: So kamen gesunkene Einkaufspreise, eine streckenweise gesenkte Mehrwertsteuer, eine gedeckelte EEG-Umlage und ggf. ein steigender Verbrauch durch Homeoffice & Co. zusammen. Was Corona für die Strompreisentwicklung genau bedeutete, erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Änderung des Einkaufspreises: Negative Strompreisentwicklung an der Strombörse

Während der Corona-Pandemie sank 2020 die Stromnachfrage im Industriebereich stark, z. B. durch Produktions-Stopps. Die geringere Nachfrage hatte zur Folge, dass die Preise an der Strombörse für einige Zeit niedriger waren.

Vergleich: Mai 2020: ca. 2 ct/kWh vs. Mai 2019: ca. 3 ct/kWh (Quelle: CHECK24).

Viele Stromversorger konnten also von der Strompreisentwicklung nach unten profitieren. Trotzdem bedeutete dies für viele Privatverbraucher keine Preissenkungen. Anbieter geben eine Ersparnis (egal welcher Ursache) normalerweise nicht an Bestandskunden weiter, denn sie sind nicht dazu verpflichtet. Stattdessen investieren Stromanbieter meist nur in Neukundenangebote (günstigere Tarife und Bonuszahlungen), während Bestandskunden deutlich mehr zahlen.

Hinzu kam, dass nicht alle Anbieter die günstige Strompreisentwicklung ausnutzen konnten: Viele Anbieter kaufen nur einen Bruchteil ihres Stroms an der Strombörse. Den Großteil beziehen sie länger im Voraus bei Erzeugern. Dadurch haben einige Stromversorger zu hohe Preise für 2020/21 gezahlt.

Senkung der Mehrwertsteuer 2020

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Mehrwertsteuersatz vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 gesenkt, was sich auch auf die Strompreisentwicklung auswirkte. Die Steuer betrug dadurch nur 16 statt 19 Prozent.

Tipp: Kontrollieren Sie sicherheitshalber auf Ihrer Stromrechnung, ob Ihr Stromversorger dies berücksichtigt hat. Verlangen Sie ggf. eine Korrektur.

Senkung bzw. Deckelung der EEG-Umlage ab 2021

Eine weitere Entlastung während der Corona-Krise soll für den Verbraucher die Senkung bzw. Deckelung der EEG-Umlage ab 2021 bewirken. Der Anteil der Umlage am Strompreis wäre sonst stärker ausgefallen und hätte somit eine weitere Preissteigerung zur Folge gehabt.

Durch Zuschüsse des Bundes wurde die Umlage im Jahr 2021 auf 6,5 ct/kWh gesenkt (statt 8,6 ct/kWh). Im Jahr 2022 sinkt sie weiter auf 6 ct/kWh.

Steigender Stromverbrauch durch Corona-Krise

Durch Homeoffice, Lockdowns & Co. kam es im Rahmen der Corona-Krise zu einem steigenden Stromverbrauch bei Privatkunden. Laut einer Umfrage von Verivox muss jeder zweite deutsche Haushalt für die Pandemie-Zeit (2020/21) eine Nachzahlung leisten, hat also einen höheren Stromverbrauch als bisher. Die Nachzahlungen betrugen durchschnittlich 112 Euro.

Gleichzeitig ist für Privathaushalte während der Corona-Krise auch 2021 oder 2022 keine Strompreisentwicklung nach unten in Sicht. Daher ist ein Stromanbieterwechsel jetzt für Verbraucher besonders lohnenswert, um die guten Neukundenangebote zu nutzen.

Wenn Sie nicht selbst nach dem besten Stromanbieter suchen möchten, übernehmen wir dies gerne für Sie. Fordern Sie einfach eine kostenlose, unverbindliche Tarifempfehlung an.

Strompreisentwicklung von 2010 bis 2021

Durchschnittlich sind die Strompreise für Privatkunden zwischen den Jahren 2010 und 2020 um ca. 25 % angestiegen – und das trotz sinkender Erzeugerkosten. Zwischen den Jahren 2000 und 2021 kam es sogar zu mehr als einer Verdopplung bei der Strompreisentwicklung von 13,94 ct/kWh auf 31,81 ct/kWh (Quelle: BDEW). Gleichzeitig sind die Kosten für Stromerzeuger nur um 35 Prozent angestiegen. Vor allem höhere Umlagen und Steuern haben zur großen Preissteigerung beigetragen.

Im folgenden Abschnitt gehen wir genauer darauf ein, welche Preisbestandteile für eine Strompreisentwicklung nach oben zwischen 2010 und 2021 gesorgt haben.

Strompreisentwicklung: Veränderung der Preisbestandteile 2010-2021

Wenn man sich mit der Strompreisentwicklung der letzten zehn Jahre beschäftigt, fällt auf, dass die Erhöhungen vor allem durch Steuern und Abgaben zustande gekommen sind. In der Grafik sehen Sie die Strompreisentwicklung von 2010 bis 2020 laut BDEW. Diese ist unterteilt nach einzelnen Preisbestandteilen und bezieht sich auf einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Während der Anteil an Steuern, Abgaben und Umlagen über die Jahre angestiegen ist, ist der Teil für Beschaffung und Vertrieb geringer geworden.

Strompreisentwicklung Bestandteile 2010 bis 2020

Strompreisentwicklung: Einkaufspreis der Stromanbieter vs. Preis für Privatkunden

Die meisten deutschen Stromanbieter erzeugen nicht selbst Strom, sondern kaufen diesen ein. Das ist entweder über Stromproduzenten (z. B. große Erzeuger wie E.ON oder Vattenfall) oder über die Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig möglich.

An der Strombörse können Versorger Strom anbieten (wenn sie zu viel Strom produziert haben) oder einkaufen (wenn sie nicht genug Strom für die Belieferung aller Kunden haben).

Über die Strompreisentwicklung an der Börse entscheiden demgemäß die Anbieter. Stromkäufer geben wiederum Preisgebote ab. Der tatsächliche Verkaufspreis wird dann auf Basis aller Angebote und Nachfragen ermittelt.

Was hat Einfluss auf die Strompreisentwicklung an der Börse?

Folgende Aspekte können die Strompreisentwicklung an der Börse beeinflussen:

  • Schwankendes Angebot, z. B. durch unregelmäßige Stromproduktion. Beispiel: Windkraftanlagen produzieren nicht kontinuierlich die gleiche Menge Strom, sondern sind stark witterungsabhängig. Das wirkt sich ebenso auf die Strompreisentwicklung aus. Energieversorger, die auf Windkraft angewiesen sind, müssen daher an windstillen Tagen Strom zukaufen und können an windintensiven Tagen durch eine Überproduktion Strom verkaufen.
  • Politische und wirtschaftliche Ereignisse, z. B. Corona-Krise oder Krieg in der Ukraine

Prognose zur Strompreisentwicklung ab 2022: Steigen die Preise weiter?

Über die zukünftige Strompreisentwicklung ab 2022 können auch Experten nur mutmaßen. Denn die zahlreichen Faktoren, die auf den Strompreis Einfluss nehmen, sind zum Teil von politischen Entscheidungen oder marktspezifischen Entwicklungen abhängig. Durch den hohen steuerlichen Anteil des Preises haben diese enorme Auswirkungen. Einige Aspekte zeichnen sich jedoch schon ab:

  • Viele der staatlich verursachten Kostenanteile des Strompreises (d. h. Steuern und Netzentgelte) werden vorerst nicht sinken bzw. sogar weiter steigen: Ausbau und Sanierung der Stromnetze, Installation und Wartung von modernen Stromzählern sowie Investitionen in die Entwicklung von erneuerbaren Energien werden durch diese Abgaben gedeckt.
  • Die Einkaufspreise steigen aktuell an und sind u. a. abhängig von der Gaspreisentwicklung. Eine Preissenkung ist nicht absehbar.
  • Die EEG-Umlage sinkt im Jahr im Jahr 2022 auf rund 3,7 ct/kWh und wird zum 01.07.2022 vollständig abgeschafft, was jedoch nur eine leichte Senkung des Strompreises zur Folge hat.
  • Die Bundesregierung diskutiert aktuell (März 2022) über eine Senkung der Stromsteuer und der Mehrwertsteuer, um Verbraucher zu entlasten.
  • Die CO2-Abgabe wird ab 01.01.2021 auf Öl und Gas für Privathaushalte erhoben. Mit diesen zusätzlichen Einnahmen soll langfristig Strom günstiger werden, während fossile Energien für Heizung und Verkehr deutlich im Preis steigen. Bisher ist für Verbraucher aber keine derartige Strompreissenkung in Sicht.

Laut Prognosen setzt sich die Strompreisentwicklung nach oben ab 2022 also fort, sodass Deutschland weiterhin an der Spitze der europäischen Stromkosten bleibt.

Was können Verbraucher gegen die ansteigende Strompreisentwicklung tun?

Die Strompreise steigen – dann müssen Sie das als Verbraucher so akzeptieren? Nein! Gerade weil die Strompreise zukünftig eher ansteigen werden, können Verbraucher etwas tun, um ihre Kosten zu senken. Bei über 1.000 Stromanbietern auf dem Markt gibt es fast immer günstige Neukundenangebote.

Es lohnt sich, regelmäßig einen Stromvergleich durchzuführen und jedes Jahr den Stromanbieter zu wechseln. So lassen sich in vielen Fällen Hunderte Euro sparen.

Noch einfacher geht es mit cheapenergy24: Wir vergleichen nicht nur die besten Angebote und finden einen günstigen, seriösen Stromversorger für Sie, sondern übernehmen auch den gesamten Wechsel.

Ansteigende Strompreisentwicklung: Sonderkündigungsrecht nutzen

Bei einer ungünstigen Strompreisentwicklung flattert früher oder später die Information zur Strompreiserhöhung ins Haus. Dann können Sie Ihren laufenden Stromvertrag vorzeitig beenden. Diese Chance können Sie nutzen, um sich nach einem neuen Anbieter mit besseren Konditionen umzusehen.

Dabei kommt es darauf an, ob Sie sich aktuell in der örtlichen Grundversorgung oder bei einem alternativen, selbstgewählten Versorger in Belieferung befinden.

  • Die Grundversorgung (Grundversorgungsvertrag) können Sie mit einer Frist von zwei Wochen schnell kündigen (auch wenn keine Preiserhöhung erfolgt).
  • Bei einem alternativen Anbieter (Sondervertrag) können Sie Ihr Sonderkündigungsrecht nutzen und den Vertrag vor dem Inkrafttreten der neuen Preise beenden. Das gilt auch, wenn Sie einen Sondervertrag beim Grundversorger abgeschlossen haben.

Natürlich unterstützen wir Sie gerne bei der Wahl Ihres neuen Anbieters: Fordern Sie einfach eine unverbindliche Tarifempfehlung an. Wir übernehmen für Sie alle unangenehmen Aufgaben (z. B. Stromtarifvergleich, Rechnungsprüfung sowie Kündigungen und Neuanmeldungen). Durch unseren Wechselservice sparen Sie jedes Jahr ohne Aufwand und müssen sich keine Sorgen mehr um die Strompreisentwicklung machen.

FAQ: Häufige Fragen zur Strompreisentwicklung

Durch die komplexe Zusammensetzung des Strompreises und viele weitere Entwicklungen (z. B. Corona-Krise), die den Strompreis beeinflussen, ergeben sich zu diesem Thema bei Verbrauchern zahlreiche Fragen. Hier haben wir für Sie einige zusammengestellt.

Ende der 1990er Jahre ging man davon aus, dass die Strompreise in Zukunft sinken werden. Dafür sollten das neue Energiewirtschaftsgesetz und die Liberalisierung des Strommarktes sorgen. Und tatsächlich sanken zwischen 1998 und 2000 die Strompreise merklich.

Doch im Jahr 2000 fand diese Entwicklung ein Ende. Folgende Faktoren waren für einen Anstieg der Strompreise verantwortlich:

  • Konkursanmeldung einiger neuer Stromversorger
  • Konsolidierung, bei der viele regionale Versorger zu großen Unternehmensverbänden wie z. B. E.ON zusammengefasst wurden
  • Einführung der Ökosteuer
  • Fokussierung auf die Förderung erneuerbarer Energien
  • Erhöhung der Mehrwertsteuer

Die Preisentwicklung nach oben setzte sich in den nächsten Jahren fort.

Die Höhe des Netznutzungsentgelts hängt u. a. von den folgenden Aspekten ab:

  • Wie modern ist die Infrastruktur? Leitungen mit Hochspannungs-Übertragung sind z. B. teurer in der Nutzung als Verteilernetze mit Mittel- oder Niedrigspannungen.
  • Welche Region ist betroffen? Verbraucher im Nordosten des Landes – wie in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – zahlen mehr, weil dort mit der Entstehung vieler Windkraftanlagen der Netzausbau stärker ausfällt.
  • Wie hoch ist die Besiedlungsdichte? In dünn besiedelten Gebieten Deutschlands zahlen die Verbraucher höhere Netznutzungsentgelte und damit deutlich mehr als in dichter besiedelten Teilen.

Während der Corona-Pandemie kam es zu einer sinkenden Strom-Nachfrage durch die Industrie. Diese verringerte Nachfrage verursachte wiederum einen Preissturz im Großhandel.

Die daraus resultierenden Einnahmen treffen auch Stromanbieter, die mit erneuerbaren Energien wirtschaften. Somit ist eine höhere Förderung nötig, damit die Erzeugung wirtschaftlich bleibt. Die Differenz wird normalerweise durch das EEG-Konto (EEG-Umlage) ausgeglichen, also mithilfe der Stromzahlungen von Privatkunden. Dieser Ausgleich wäre 2020/21 um einiges teurer als bisher. Um die Mehrkosten nicht an den Verbraucher weiterzugeben, sorgt der Bund für einen Ausgleich.

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